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Glossar

Glossar - Begriffe einfach erklärt

Hier finden Sie die wichtigsten Fachbegriffe rund um erbliche Netzhauterkrankungen, Augenheilkunde, Genetik, Molekularbiologie und Therapie in verständlicher Sprache. Die Begriffe sind alphabetisch sortiert - nutzen Sie die Buchstabennavigation oder das Suchfeld, um schnell einen Eintrag zu finden.

A

AAV-Vektor (Adeno-assoziierter Virus-Vektor)

Harmloses Trägervirus, das gesunde Genkopien in Netzhautzellen einschleust.

AAV sind kleine Viren, die beim Menschen keine Erkrankung auslösen. In der Gentherapie werden sie genetisch so verändert, dass sie statt eigener Erbinformation ein therapeutisches Gen transportieren. Nach der Injektion unter die Netzhaut geben sie dieses Gen gezielt an Photorezeptoren oder das RPE ab.

Allel

Eine von zwei Varianten eines Gens, die ein Mensch besitzt.

Jeder Mensch trägt pro Gen zwei Allele - eines von der Mutter, eines vom Vater. Allele können identisch oder unterschiedlich sein. Veränderungen in einem oder beiden Allelen können Erkrankungen verursachen, abhängig vom Erbgang.

Antisense-Oligonukleotid (ASO)

Kurzes, synthetisches Erbgutstück, das gezielt den Bau fehlerhafter Proteine verhindert.

ASOs binden an die mRNA eines Gens und beeinflussen Splicing oder Proteinproduktion. In der Augenheilkunde wird dieser Ansatz z. B. beim CEP290-bedingten LCA10 erforscht. Vorteil: reversibel, da keine dauerhafte DNA-Veränderung.

Autosomal-dominant (AD)

Erbgang, bei dem eine einzige veränderte Genkopie die Erkrankung auslöst.

Betroffene haben typischerweise ein 50 %-Risiko, die Mutation an jedes Kind weiterzugeben. Die Erkrankung tritt in jeder Generation auf. Beispiele in der Ophthalmogenetik: manche Formen von Retinitis Pigmentosa (z. B. RHO-assoziiert).

Autosomal-rezessiv (AR)

Erbgang, bei dem beide Genkopien verändert sein müssen.

Träger mit nur einer Mutation sind meist gesund. Haben beide Eltern jeweils eine Mutation im selben Gen, liegt das Erkrankungsrisiko für jedes Kind bei 25 %. Viele Formen erblicher Netzhauterkrankungen (z. B. Usher-Syndrom, Stargardt) werden autosomal-rezessiv vererbt.

B

Blinder Fleck

Stelle der Netzhaut ohne Photorezeptoren - dort verlässt der Sehnerv das Auge.

Am blinden Fleck (Papille) treten die Nervenfasern aller Netzhautzellen als Sehnerv gebündelt aus dem Auge. Weil dort keine Sinneszellen liegen, entsteht ein kleiner physiologischer Gesichtsfeldausfall, den das Gehirn normalerweise ergänzt.

C

Choroideremie

Seltene, X-chromosomale Netzhaut-Aderhaut-Degeneration, die fast nur Männer betrifft.

Verursacht durch Mutationen im CHM-Gen. Typisch ist ein langsam fortschreitender Verlust von RPE, Photorezeptoren und Aderhaut mit Nachtblindheit im Jugendalter und zunehmendem Gesichtsfeldverlust. Gentherapeutische Studien laufen seit Jahren.

ClinicalTrials.gov

Weltweit größtes öffentliches Register klinischer Studien.

Betrieben von der US-Nationalbibliothek für Medizin. Dort registrieren Forschende weltweit ihre Studien - auch zu erblichen Netzhauterkrankungen. MyRetinaGene verweist für laufende Studien auf diese Datenbank.

ClinVar

Öffentliche Datenbank der NCBI, die Genvarianten und ihre klinische Bedeutung sammelt.

Labore weltweit teilen hier Befunde zu genetischen Varianten mit einer Einstufung als pathogen, wahrscheinlich pathogen, unklar, wahrscheinlich gutartig oder gutartig. ClinVar ist eine zentrale Referenz bei der Interpretation von Gentests.

Compound-heterozygot

Zwei verschiedene krankmachende Mutationen auf beiden Kopien desselben Gens.

Jedes Elternteil gibt eine andere Mutation im gleichen Gen weiter. Klinisch verhält sich die Konstellation wie eine autosomal-rezessive Erkrankung. Besonders häufig bei seltenen Erkrankungen wie Usher-Syndrom oder Stargardt.

Cone-Rod-Dystrophie (CRD)

Netzhauterkrankung, bei der zuerst die Zapfen und später die Stäbchen geschädigt werden.

Frühe Symptome sind Blendempfindlichkeit, Farbsehstörungen und zentraler Sehverlust. Im Verlauf kommen Nachtblindheit und Gesichtsfeldverlust hinzu - also das umgekehrte Muster zur klassischen Rod-Cone-Dystrophie.

CRISPR/Cas9

Molekulare Genschere, die gezielt einzelne DNA-Buchstaben verändern kann.

CRISPR/Cas9 erkennt eine DNA-Sequenz und schneidet das Erbgut präzise. In der Augenheilkunde wurde CRISPR erstmals direkt im Auge eingesetzt (z. B. EDIT-101 bei CEP290-LCA10). Die Technik eröffnet Therapien auch für große Gene, die nicht in einen AAV-Vektor passen.

D

DNA (Desoxyribonukleinsäure)

Molekül, in dem die Erbinformation aller Körperzellen gespeichert ist.

Die DNA ist eine Doppelhelix aus vier Bausteinen (A, C, G, T). In Abschnitten, den Genen, ist die Bauanleitung für Proteine codiert. Mutationen in der DNA können zu Netzhauterkrankungen führen.

E

EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur)

Europäische Behörde, die Arzneimittel zulässt und überwacht.

Die EMA prüft Wirksamkeit und Sicherheit neuer Therapien - darunter auch Gentherapien wie Luxturna. Sie vergibt zusätzlich den Status als Orphan Drug für Medikamente bei seltenen Erkrankungen.

Erbgang

Muster, nach dem eine genetisch bedingte Erkrankung in einer Familie weitergegeben wird.

Häufige Erbgänge bei Netzhauterkrankungen sind autosomal-dominant, autosomal-rezessiv, X-chromosomal und mitochondrial. Die Kenntnis des Erbgangs ist entscheidend für die genetische Beratung und die Einschätzung des Wiederholungsrisikos.

ERG (Elektroretinogramm)

Untersuchung, die die elektrische Antwort der Netzhaut auf Lichtreize misst.

Kontaktelektroden am Auge registrieren die Signale von Stäbchen und Zapfen. Ein stark vermindertes oder erloschenes ERG ist ein wichtiger Hinweis auf Retinitis Pigmentosa und andere Netzhautdystrophien, oft lange bevor typische Fundus-Veränderungen sichtbar sind.

Exon

Protein-codierender Abschnitt eines Gens.

Gene enthalten Exons und dazwischenliegende, nicht-codierende Introns. Beim Splicing werden Introns entfernt und Exons zusammengefügt. Mutationen in Exons sind häufige Ursachen erblicher Netzhauterkrankungen.

Expressivität

Ausmaß, in dem sich eine genetische Veränderung klinisch äußert.

Selbst dieselbe Mutation kann bei verschiedenen Menschen zu unterschiedlich schweren Symptomen führen. Die variable Expressivität erklärt, warum Betroffene innerhalb einer Familie teils sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe zeigen.

F

FDA (U.S. Food and Drug Administration)

US-Zulassungsbehörde für Medikamente und medizinische Produkte.

Die FDA hat z. B. 2017 mit Luxturna die weltweit erste Gentherapie für eine erbliche Netzhauterkrankung zugelassen. Zulassungen der FDA dienen oft als Vorbild für spätere Entscheidungen anderer Behörden.

Fovea (Sehgrube)

Kleinstes Zentrum der Makula mit der höchsten Dichte an Zapfen.

In der Fovea centralis entsteht unser schärfstes Sehen - etwa beim Lesen oder Fixieren. Erkrankungen der Makula (z. B. Stargardt) treffen die Fovea besonders früh und führen zu zentralem Sehverlust.

Frameshift-Mutation (Leserasterverschiebung)

Mutation durch Einfügen oder Verlust einzelner DNA-Buchstaben.

Da die genetische Information in Dreierpaketen (Kodons) gelesen wird, verschiebt das Einfügen oder Entfernen weniger Buchstaben das Leseraster. Das resultierende Protein ist meist funktionslos - Frameshift-Mutationen sind oft schwerwiegend.

Fundus (Augenhintergrund)

Innere Rückseite des Auges mit Netzhaut, Makula, Sehnerv und Gefäßbaum.

Der Fundus wird mit Ophthalmoskop oder Funduskamera untersucht. Typische Auffälligkeiten bei RP sind z. B. knochenbälkchenförmige Pigmentierungen und enggestellte Gefäße.

Fundusautofluoreszenz (FAF)

Bildgebung, die das natürliche Leuchten von Abbauprodukten im RPE sichtbar macht.

Gesunde und geschädigte Netzhautareale zeigen unterschiedliche Autofluoreszenz. FAF hilft, die Ausdehnung von Netzhautdystrophien (z. B. Stargardt oder RP) früh zu erkennen und den Verlauf zu dokumentieren.

G

Gefäßbaum (retinale Gefäße)

Netzwerk aus Arterien und Venen, das die Netzhaut mit Blut versorgt.

Der retinale Gefäßbaum entspringt dem Sehnervenkopf und breitet sich fächerförmig aus. Bei RP sind die Gefäße häufig auffällig eng gestellt - ein wichtiges Fundus-Zeichen.

Gen

Abschnitt der DNA, der die Bauanleitung für ein Protein enthält.

Der Mensch besitzt rund 20 000 Gene. Rund 300 Gene sind bekannt dafür, bei Veränderung erbliche Netzhauterkrankungen auszulösen - eine Übersicht finden Sie in unserer Gendatenbank.

Gentherapie

Behandlung, bei der eine funktionsfähige Genkopie in Körperzellen eingebracht wird.

Bei erblichen Netzhauterkrankungen wird die gesunde Genkopie meist per AAV-Vektor unter die Netzhaut gespritzt. Luxturna (RPE65) ist die erste zugelassene Gentherapie für eine Netzhauterkrankung und dient als Vorbild für viele weitere Studien.

Gesichtsfeld

Bereich, den man bei ruhigem Blick wahrnimmt, ohne die Augen zu bewegen.

Mit der Gesichtsfeldprüfung (Perimetrie) wird gemessen, wo das Sehen normal ist und wo Ausfälle bestehen. Typisch bei RP ist ein zunehmender Ausfall von außen nach innen bis hin zum Tunnelblick.

H

Heterozygot

Nur eine der beiden Genkopien ist verändert.

Heterozygote Träger einer rezessiven Mutation sind in der Regel gesund, können die Mutation aber an Kinder weitergeben. Bei autosomal-dominanten Erkrankungen reicht bereits eine heterozygote Mutation für die Erkrankung aus.

Homozygot

Beide Genkopien tragen dieselbe Mutation.

Homozygote Konstellationen entstehen häufig, wenn beide Eltern dieselbe Mutation weitergeben - z. B. bei Blutsverwandtschaft oder in Populationen mit hoher Trägerhäufigkeit.

I

Intron

Nicht-codierender Abschnitt eines Gens zwischen zwei Exons.

Introns werden beim Splicing aus der mRNA herausgeschnitten. Mutationen an den Übergängen zwischen Intron und Exon können das Splicing stören und so erbliche Netzhauterkrankungen verursachen.

L

LCA (Leber Kongenitale Amaurose)

Schwere, angeborene Netzhauterkrankung mit starker Sehbehinderung ab Geburt.

LCA umfasst mehrere genetische Formen (z. B. RPE65, CEP290). Betroffene Säuglinge zeigen meist Nystagmus, starke Lichtscheu und ein erloschenes ERG. LCA gehört zu den ersten Erkrankungen mit zugelassener Gentherapie.

LOVD (Leiden Open Variation Database)

Offene Datenbank für genetische Varianten, gepflegt von der Universität Leiden.

LOVD enthält genspezifische Varianten-Sammlungen, die oft über ClinVar hinaus detaillierte klinische Daten bieten. Viele ophthalmogenetische Forschergruppen nutzen LOVD zur gemeinsamen Dokumentation neuer Varianten.

M

Makula

Zentraler Bereich der Netzhaut, zuständig für scharfes Sehen.

Die Makula ist rund 5 mm groß und enthält in ihrer Mitte die Fovea. Erkrankungen der Makula (z. B. Makuladystrophien, Stargardt) beeinträchtigen Lesen, Gesichtererkennung und Farbensehen.

Makuladystrophie

Sammelbegriff für erbliche Erkrankungen, die zuerst die Makula schädigen.

Typische Formen sind Morbus Stargardt (ABCA4), Best-Erkrankung (BEST1) und X-chromosomale Retinoschisis (RS1). Leitsymptome sind zentraler Sehverlust, Lesestörung und verzerrtes Sehen.

Missense-Mutation

Mutation, die einen Aminosäure-Baustein im Protein gegen einen anderen austauscht.

Das Protein wird zwar gebildet, kann aber seine Funktion ganz oder teilweise verlieren. Missense-Varianten sind in ClinVar oft schwer einzuordnen und werden häufig als „variant of uncertain significance“ (VUS) klassifiziert.

Mitochondrial

Erbgang über die DNA der Mitochondrien - wird ausschließlich von der Mutter weitergegeben.

Mitochondriale Mutationen können u. a. die Leber'sche hereditäre Optikusneuropathie (LHON) verursachen. Väter geben mitochondriale Mutationen nicht weiter, Mütter dagegen an alle Kinder.

mRNA (Boten-RNA)

Abschrift eines Gens, die als Bauplan für ein Protein dient.

Die mRNA wird im Zellkern aus der DNA abgelesen, verlässt den Kern und wird an den Ribosomen in ein Protein übersetzt. ASO-Therapien wirken auf die mRNA.

Mutation

Veränderung in der DNA-Sequenz eines Gens.

Mutationen können krankheitsverursachend (pathogen) oder harmlos (benign) sein. Manche sind in ihrer Bedeutung unklar (VUS). Moderner Sprachgebrauch bevorzugt den neutralen Begriff Variante.

N

Nachtblindheit (Nyktalopie)

Schwierigkeiten beim Sehen bei schwachem Licht oder Dunkelheit.

Nachtblindheit entsteht, wenn die Stäbchen nicht mehr richtig funktionieren. Sie ist häufig das erste Symptom einer Retinitis Pigmentosa und tritt oft schon Jahre vor Einschränkungen des Gesichtsfeldes auf.

Netzhaut (Retina)

Lichtempfindliche Schicht im hinteren Teil des Auges.

Die Netzhaut enthält die Photorezeptoren, die Lichtreize in elektrische Signale umwandeln. Diese werden über den Sehnerv ans Gehirn geleitet. Die Netzhaut ist der Ort, an dem erbliche Netzhauterkrankungen entstehen.

Nonsense-Mutation

Mutation, die ein vorzeitiges Stop-Kodon einführt.

Das Protein wird zu früh abgebrochen und ist meist funktionslos. Nonsense-Varianten gelten häufig als sicher pathogen und sind in mehreren ASO- und Gentherapie-Ansätzen Zielstruktur.

O

OCT (Optische Kohärenztomografie)

Bildgebendes Verfahren, das die Netzhautschichten in hoher Auflösung darstellt.

Ähnlich einem Ultraschall, aber mit Licht. OCT zeigt schon kleinste Veränderungen von Photorezeptor- und RPE-Schicht und ist Standard zur Diagnose und Verlaufskontrolle von RP, Makuladystrophien und Usher-Syndrom.

OMIM (Online Mendelian Inheritance in Man)

Umfassender Online-Katalog erblicher Erkrankungen und ihrer Gene.

OMIM ordnet jedem Gen und jeder Erkrankung eine eindeutige Nummer zu und fasst den aktuellen Wissensstand zusammen. Für die Ophthalmogenetik ist OMIM eine der wichtigsten Referenzen.

Optogenetik

Therapie, die lichtempfindliche Proteine in Netzhautzellen einschleust.

Ziel ist es, verbliebene Netzhautzellen (z. B. Ganglien- oder Bipolarzellen) wieder lichtempfindlich zu machen - unabhängig vom ursächlichen Gen. Optogenetik kommt daher auch bei sehr fortgeschrittener RP als gen-unabhängiger Ansatz in Frage.

Orphan Drug (Arzneimittel für seltene Leiden)

Medikament gegen eine seltene Erkrankung mit besonderer Förderung.

In der EU gilt eine Erkrankung als selten, wenn sie weniger als 5 von 10 000 Menschen betrifft. Der Orphan-Drug-Status erleichtert Zulassung, Marktschutz und Förderung - wichtig für teure Therapien wie Gentherapien bei RP oder LCA.

Orphanet

Europäisches Portal für Informationen zu seltenen Erkrankungen.

Orphanet bietet Krankheitsbeschreibungen, ORPHA-Codes, Expertenzentren und Patientenorganisationen in mehreren Sprachen - auch zu erblichen Netzhauterkrankungen.

P

Penetranz

Wahrscheinlichkeit, dass Träger einer Mutation auch tatsächlich erkranken.

Bei vollständiger Penetranz erkranken alle Träger, bei unvollständiger Penetranz nur ein Teil. Unvollständige Penetranz ist z. B. bei einigen autosomal-dominanten RP-Formen (RP1, PRPF31) bekannt und erschwert die Prognose.

Photorezeptoren

Lichtempfindliche Sinneszellen der Netzhaut.

Es gibt zwei Haupttypen: Stäbchen für Dämmerungs- und Nachtsehen und Zapfen für Farb- und scharfes Sehen. Bei RP sterben die Stäbchen zuerst ab, später auch die Zapfen.

Promotor

DNA-Abschnitt vor einem Gen, an dem dessen Ablesen gestartet wird.

Der Promotor bestimmt, wann und wie stark ein Gen aktiv ist. In Gentherapien werden sorgfältig ausgewählte Promotoren eingesetzt, damit das therapeutische Gen nur in den richtigen Zellen - etwa in Stäbchen oder im RPE - abgelesen wird.

Protein

Molekül, das nach dem Bauplan eines Gens hergestellt wird und Zellfunktionen ausführt.

In der Netzhaut sind z. B. Rhodopsin (Sehpigment der Stäbchen) oder RPE65 (Recycling von Vitamin A) lebenswichtige Proteine. Mutationen, die die Protein-Struktur oder -Menge verändern, können Netzhauterkrankungen auslösen.

R

Retina-Implantat

Elektronischer Netzhautchip, der ausgefallene Photorezeptoren ersetzen soll.

Ein Mikrochip wandelt Licht oder Kamerabilder in elektrische Reize um, die verbliebene Netzhautzellen stimulieren. Solche Systeme (z. B. Argus II, Alpha AMS) wurden vor allem bei sehr fortgeschrittener RP eingesetzt; einige sind inzwischen wieder vom Markt genommen.

Retinitis Pigmentosa (RP)

Gruppe erblicher Netzhauterkrankungen mit fortschreitendem Verlust der Photorezeptoren.

Typische Symptome sind Nachtblindheit, Gesichtsfeldeinschränkung und schließlich zentraler Sehverlust. Über 80 Gene sind bekannt. Mehr dazu in unseren Krankheitsbildern und der Gendatenbank.

Rod-Cone-Dystrophie

Klassische Form der RP, bei der zuerst Stäbchen und später Zapfen zugrunde gehen.

Der Verlauf beginnt typisch mit Nachtblindheit und Gesichtsfeldausfällen von außen nach innen. Erst spät kommen Farbseh- und Lesestörungen hinzu. Gegenstück: Cone-Rod-Dystrophie.

RPE (Retinales Pigmentepithel)

Dunkle Pigmentzellschicht direkt unter den Photorezeptoren.

Das RPE versorgt die Photorezeptoren, recycelt Sehfarbstoffe (z. B. über das Gen RPE65) und entsorgt Stoffwechselabfälle. Viele Netzhauterkrankungen - darunter LCA und Stargardt - beginnen im RPE.

S

Sehnerv

Nervenbündel, das die Signale der Netzhaut zum Gehirn leitet.

Der Sehnerv (Nervus opticus) besteht aus rund einer Million Nervenfasern. Er verlässt das Auge am blinden Fleck und leitet die verarbeiteten Signale der Netzhautzellen weiter in die Sehrinde.

Spaltlampe

Mikroskop mit schmaler Lichtquelle zur Untersuchung des Auges.

An der Spaltlampe beurteilt die Augenärztin vorderen Augenabschnitt (Hornhaut, Linse) und - mit Zusatzlinsen - auch die Netzhaut. Sie ist Standard jeder augenärztlichen Untersuchung.

Splicing

Prozess, bei dem Introns aus der mRNA entfernt und Exons verknüpft werden.

Splicing erfolgt nach dem Ablesen eines Gens im Zellkern. Mutationen an Splice-Stellen (oft an Intron-Exon-Grenzen) können dazu führen, dass falsche Proteine entstehen - ein häufiger Mechanismus bei erblichen Netzhauterkrankungen (z. B. CEP290-LCA10).

Stäbchen

Photorezeptoren für Dämmerungs- und Nachtsehen.

Stäbchen sind außerordentlich lichtempfindlich, aber farbenblind. Sie überwiegen außerhalb der Makula und sind bei klassischer RP als erste betroffen - deshalb tritt Nachtblindheit früh auf.

Stammzelltherapie

Behandlung mit Zellen, die sich in Netzhautzellen weiterentwickeln können.

Aus Stamm- oder iPS-Zellen werden im Labor RPE-Zellen oder Photorezeptor-Vorläufer gezüchtet und unter die Netzhaut transplantiert. Ziel ist der Ersatz verlorener Zellen bei Erkrankungen wie Stargardt oder fortgeschrittener RP. Erste Studien laufen.

Stargardt-Erkrankung

Häufigste erbliche Makuladystrophie des Jugend- und jungen Erwachsenenalters.

Meist autosomal-rezessiv durch Mutationen im Gen ABCA4. Betroffene klagen über zentralen Sehverlust, Leseprobleme und Farbsehstörungen. Therapieansätze (z. B. ABCA4-Gentherapie, Komplementhemmer) werden in Studien geprüft.

Stop-Kodon

Dreier-Baustein in der mRNA, der das Ende eines Proteins signalisiert.

Jedes Protein endet mit einem Stop-Kodon. Nonsense-Mutationen bringen ein solches Stop-Kodon zu früh ins Gen und führen zu verkürzten, meist funktionslosen Proteinen.

T

Tunnelblick

Stark eingeengtes Gesichtsfeld mit nur zentralem Sehrest.

Typisches Spätsymptom bei fortgeschrittener RP: Betroffene sehen zentral noch relativ scharf, das äußere Gesichtsfeld fällt jedoch weitgehend aus. Der Alltag - vor allem Orientierung im Raum - wird dadurch erheblich erschwert.

U

Usher-Syndrom

Kombination aus erblicher Netzhaut- und Hörerkrankung.

Es werden drei Haupttypen unterschieden, die sich in Beginn und Ausprägung unterscheiden. Häufigstes Gen ist USH2A. Mehr zum Krankheitsbild finden Sie in unseren Krankheitsbildern.

V

Variante (pathogen / benign)

Neutraler Begriff für eine Abweichung in der DNA-Sequenz.

Varianten werden nach Richtlinien (z. B. ACMG) in fünf Klassen eingeordnet: pathogen, wahrscheinlich pathogen, unklar (VUS), wahrscheinlich benign, benign. Diese Einstufung ist entscheidend für Diagnose und Familienberatung.

Visus (Sehschärfe)

Maß dafür, wie scharf man aus definierter Entfernung sieht.

Ein Visus von 1,0 entspricht normaler Sehschärfe. Mit Sehtafeln wird der bestkorrigierte Visus bestimmt. Der Visus ist ein zentraler Verlaufsparameter in Studien zu Gentherapien und anderen Netzhauttherapien.

X

X-chromosomal

Erbgang mit dem betroffenen Gen auf dem X-Chromosom.

Männer erkranken häufiger und schwerer, weil sie nur ein X-Chromosom besitzen. Frauen sind meist Trägerinnen, können aber durch X-Inaktivierung leichte Symptome zeigen. Beispiele: Choroideremie, X-chromosomale RP (RPGR).

Z

Zapfen

Photorezeptoren für Farb- und scharfes Sehen.

Es gibt drei Zapfentypen (Blau-, Grün-, Rot-empfindlich), die vor allem in der Makula dicht gepackt sind. Wenn die Zapfen geschädigt werden (z. B. bei Cone-Rod-Dystrophie oder Stargardt), kommt es zu zentralem Sehverlust und Farbsehstörungen.